Orient, Waren, Straßen und mehr: Das vierte Anno bietet jede Menge NeuerungenEs ist neben den Siedlern das deutsche Aufbaustrategiespiel schlechthin, jetzt gibt es es schon in der vierten Generation: Anno 1404 will Spieler mit Prachtgrafik und sinnvollen Neuerungen auf lange Exkurse in eine historisch anmutende Welt schicken - und dürfte damit nicht nur bei überzeugten "Anno-isten" für lange Nächte vor dem PC sorgen.
"Ihr habt ein grandioses Gespür dafür, was wir uns wünschen" - solche Sachen sagen sie manchmal, die Bewohner in der Welt von Anno 1404. Das Lob tut gut. Es wird allerdings nur
verteilt, wenn der Spieler seinen Job als Händler, Politiker, Diplomat, Kriegsherr und noch einiges mehr gut macht und seine Untergebenen erfolgreich vom windschiefen Dorf in die prächtige Großstadt führt. Bereits zum vierten Mal dürfen Spieler eine historisch anmutende Welt mit ihrem Schiff bereisen, wunderschöne Inseln erkunden und besiedeln. Für die Produktion im Auftrag von Ubisoft war - wie beim direkten Vorgänger 1701 - das Mainzer Entwicklerteam Related Designs zuständig.
verteilt, wenn der Spieler seinen Job als Händler, Politiker, Diplomat, Kriegsherr und noch einiges mehr gut macht und seine Untergebenen erfolgreich vom windschiefen Dorf in die prächtige Großstadt führt. Bereits zum vierten Mal dürfen Spieler eine historisch anmutende Welt mit ihrem Schiff bereisen, wunderschöne Inseln erkunden und besiedeln. Für die Produktion im Auftrag von Ubisoft war - wie beim direkten Vorgänger 1701 - das Mainzer Entwicklerteam Related Designs zuständig.Video: Anno 1404 - Test (3:28)
Das Spielprinzip von Anno 1404 unterscheidet sich nicht von den Vorgängern: Wieder segelt der Spieler sein Schiff an eine unbekannte Küste, erbaut dann ein Kontor als Verbindung von See und Land und platziert per Maus die Gebäude seiner Siedlung - vom Bauernhaus und Marktplatz bis hin zu Produktionsstätten wie Seilerei, Werkzeugfabrik und Bootswerft. Wenn die Bauern zufrieden sind, entwickeln sie sich weiter bis zum blaublütigen Adelsmitglied, was nach und nach weitere Bau- und Produktionsmöglichkeiten freischaltet. Wer es bis zur höchsten Stufe der Zivilisation bringt, kann gewaltige Städte mit Monumenten wie dem Kaiserdom errichten - was in Anno 1404 aber echte Herausforderungen mit teils schon fast haarsträubend hohen Anforderungen sind, denen sich nur echte Veteranen stellen sollten. Der Einstieg allerdings verläuft vergleichsweise unkompliziert. Einsteiger kommen am einfachsten und spannendsten in der neuen Kampagne ins Spiel. Die erzählt zwar mit schwachen Zwischensequenzen, aber mit interessanten Figuren wie dem arrogant-schnöseligen Finsterling Guy Forcas oder der herrlich naiven Religionsfanatikerin Marie d'Artois eine spannende Geschichte um eine Kreuzfahrt und allerlei Intrigen. Fast nebenbei lernt der Spieler wie in einem riesigen Tutorial alles über Handel, Routenplanung und Kriegsführung. Alternativ verfügt Anno 1404 über Szenarios, in denen PC-Skipper es etwa zum Diplomaten bringen müssen - oder sie stürzen sich ins legendäre Endlosspiel, der seit dem ersten Anno beliebtesten Variante. Über einen Multiplayermodus verfügt das Programm nicht. 

Die größte Änderung in Anno 1404 betrifft das Bedürfnissystem. Die Neuerungen haben das Ziel, ein Problem des Vorgängers zu lösen: Der war zwar einsteigerfreundlich, aber vielen Spielern dann schnell zu einfach. Es gab 13 Bedürfnisse - in 1404 sind es 64, die mit Hilfe von je vier Waren- und Gebäudekategorien übersichtlich zusammengehalten werden. Bei den Warenkategorien handelt es sich um Nahrung, Trinken, Kleidung und sonstige Besitztümer, jede davon enthält bis zu vier einzelne Waren. Bei den Gebäuden gibt es in der Anfangsphase Gemeinschaft und Kapelle, später kommen Sicherheit und Vergnügen dazu - alle haben vier unterschiedliche Gebäudetypen. Insgesamt gibt es in Anno 16 Bedürfniskategorien, die der Spieler mit mehr als 60 Waren stillen kann.
In der Praxis funktioniert das System ausgesprochen gut: Anfangs kann der Spieler unbelastet von Details einfach seine Gebäude und Produktionsstätten errichten, lernt dann und hat später genug Menüs und Optionen, um die Übersicht zu behalten. Allerdings wird Anno 1404 nicht nur bei den Monumenten, sondern überhaupt im späteren Verlauf teils happig schwer. Wer es bis zur höchsten Ausbaustufe bringen möchte, muss damit rechnen, in seinen Siedlungen wegen der unterschiedlichen Platzanforderungen wichtige Gebäude mehrfach neu aufzubauen und zu strukturieren. Wer seine mitteleuropäischen Inseln verlässt und Richtung Süden steuert, stößt je nach Karte bald auf die größte Neuerung in Anno 1404: die Orientalen, die ihre Gebäude auf angenehm sommerlich aussehenden Wüsteninseln errichten. Im Verlauf der Kampagne, aber auch in den anderen Modi kann der Spieler selbst Nomadensiedlungen errichten. Das Spielprinzip bleibt dabei fast unverändert - nur dass in der Mitte einer orientalischen Siedlung beispielsweise eine Moschee statt einer Kirche steht, und dass die Bürger größten Wert auf anständige Gewürze in der Nahrungskette legen. Die Entwickler haben darauf geachtet, dass die Warenketten der beiden Völker so verzahnt sind, dass sich bestimmte Bedürfnisse mit den Produkten des jeweils anderen erfüllen lassen. Das führt dazu, dass der Spieler ganz nebenbei zwei Stämme aufbaut - die sich zwar in Details unterscheiden und so für Abwechslung sorgen, Bedienung und Zusammenhänge aber wie aus einem Guss wirken. Auch sonst gibt es in Anno 1404 jede Menge Neuerungen oder Detailveränderungen gegenüber den Vorgängern. So muss nun wieder jedes Gebäude ans Straßennetz angeschlossen sein - zum Glück ist die Wege-leg-Funktion ausgesprochen komfortabel. Die Militär- und Kampffunktionen laufen nun gebäudebasiert und sehr indirekt ab - was aber, wie in allen Annos, keine große Rolle spielt. Wichtiger ist nun der Aufbau des Hafens, bei dessen Einrichtung der Spieler mehr Freiheiten genießt und beispielsweise seine Reperaturwerft gut geschützt hinter dem Wehrturm anbringen kann.
Anno 1404 ist nur für Windows-PC erhältlich und kostet rund 40 Euro. Für rund 60 Euro ist eine "limitierte Edition" in einer Schatzkiste aus Holz mit Lederbeschlägen erhältlich, die einen einigermaßen hochwertigen, auf antik getrimmten Kompass, ein Artbook sowie weitere Extras enthält. Die USK hat den Titel ab sechs Jahren freigegeben.
Das Programm benötigt einen Hauptprozessor mit mindestens 3 GHz sowie 1 GByte an RAM; auf der Festplatte belegt es rund 6 GByte. Die Grafikkarte muss kompatibel zu DirectX 9.0c sein, über 128 MByte Speicher verfügen und Pixel Shader 2.0 beherrschen. Für Notebooks mit schwachen Grafikchips etwa von Intel bedeutet das das Aus: Zwar läuft das Spiel auf diesen Rechnern, bei Tests auf entsprechenden Systemen traten aber viele Grafikfehler auf. Davon abgesehen, lief Anno 1404 im Großen und Ganzen äußerst stabil. Lediglich in einer Mission der Kampagne kam es auf mehreren Testrechnern zu auffällig vielen Abstürzen. Deutlich ärgerlicher: Die Zeit für das Starten des Spiels sowie für das Laden oder Sichern von Speicherständen dauert extrem lange - je nach System muss der Spieler für den Start seiner Kampagne mehrere Minuten warten, bis er in See stechen kann.
Anno 1404 verwendet einen Kopierschutz des Unternehmens Tages. Der Spieler muss einen auf dem Handbuch aufgedruckten Key-Code eingeben, der einmalig online verifiziert wird. Anschließend läuft das Spiel auch ohne DVD im Laufwerk und ohne Onlineverbindung. Der Key lässt sich insgesamt drei Mal aktivieren, laut Ubisoft sollen Spieler beim Support ohne großen Aufwand weitere Freischaltungen anfordern können. Eine Key-Reaktivier-Funktion ist in die De-Installationsroutine nicht eingebaut.
Fazit
Irgendwie war bei den letzten Annos die Luft raus? Wer so denkt, das Spielprinzip aber eigentlich mag, der sollte Anno 1404 eine Chance geben. Es fühlt sich an wie klassisches Anno - aber viel abwechslungsreicher und spannender. Beispielsweise haben es die Entwickler geschafft, dass der Spieler ständig sinnvoll beschäftigt ist: Auf der einen Insel fehlen nur noch wenig Adelige, auf der anderen entsteht gerade ein Erzkonglomerat, die neue Kirche ist fertig und dann sind noch ein paar Aufträge überfällig - Boote bauen, Schiffbrüchige suchen oder Werkzeuge liefern. Über einige der Neuerungen kann man zwar streiten, etwa über den Straßenbau oder das Militär. Richtige Schwachstellen offenbart das Programm aber kaum. Dafür aber jede Menge Spielspaß mit "Nur noch fünf Minütchen"-Suchtpotenzial in einer teils wunderschönen Spielwelt.
Golem.de

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